11 Tipps wie Sie in Meetings Punkten

von Katharina Maehrlein am 26. April 2011

“Meetings sind reine Zeitverschwendung”, sagten 32 Prozent der deutschen Befragten einer Umfrage im deutschsprachigen Raum und Großbritannien im Dezember 2004. Meetings nerven und langweilen viele, dabei lassen Sie sich hervorragend für die eigene Positionierung nutzen! Wie Sie in Meetings Punkten, das erfahren Sie hier:

Tipp 1: Rangordnung vor Inhalt

“Rang geht vor Inhalt” lautet die Spielregel Nummer 1 im Karrierespiel. Es ist DIE

Kommunikationsregel, die alle anderen dominiert! Um die Rangordnung zu installieren, wird

statusorientiert kommuniziert, um sich gegenseitig über- oder unterzuordnen und sich vor

allem nach unten möglichst klar abzugrenzen. Frauen haben dieses Bedürfnis meist weniger

stark ausgeprägt als Männer- sollten das Spiel aber mitspielen, wenn sie ernst genommen

werden wollen.

Wenn Sie zu den Menschen gehören, die diese Rangeleien nervig und unnötig finden, (diese

gibt es auch unter Männern) muss ich Ihnen sagen: Sie kommen nicht Drumherum! Das

Gerangel um den Rang findet statt und ist uns mit den Tieren gemein. Punkt. Sie können

sich nicht entziehen denn Sie können „Nicht-nicht-Kommunizieren“. Nicht Mitmachen hat zur

Folge, dass Sie auf einer der untersten Positionen in der Hackordnung landen und damit

stark an Durchsetzungskraft verlieren. Betrachten Sie es einfach als

Spiel mit Regeln, guten oder weniger guten Zügen und Fouls und nehmen Sie es leicht. Sie

werden sehen, es kann richtig Spaß machen. Verstehen Sie sich als SpielerIn in

einem Spiel, dessen Regeln sich wie eine Fremdsprache erlernen lassen und unterscheiden

Sie zwischen sich als Mensch und als Spielerin oder Spieler.

Die Regel Nummer Eins lautet: die erste viertel Stunde eines Meetings gehört dem

Aushandeln der Rangfolge unter den Teilnehmern. Versuchen Sie vor Ablauf dieser Zeit

einen inhaltlichen Beitrag zu leisten, laufen Sie Gefahr, kein Gehör zu finden!

Tipp 2: Das Spiel beginnt schon vor dem Start

Oft beginnt das Gerangel um die beste Position schon vor dem Meeting. Wer kommt mit

welchem Verbündeten, wer ignoriert wen, wer dienert sich mit einem Kaffee beim Chef an?

Selbst die Begrüßung gibt Aufschluss: Schaut ein Kollege beim “Guten Tag” sein Gegenüber

nicht an, ist das ein Ausdruck von Desinteresse und Missachtung. Er stellt sich damit über

den anderen. Klopft ein Team-Mitglied einem anderen auf die Schulter, ist das ein Übergriff,

der zeigen soll: “Ich stehe über Dir.” Da hilft nur, die Kollegen freundlich, aber deutlich zu

einer angemessenen Reaktion zu zwingen, zum Beispiel: die Hand festhalten und den

Kollegen in ein Begrüßungsgespräch verwickeln, Berührungen mit Berührungen erwidern.

Oder aber: Die unangemessenen Aktionen im Meeting retournieren – indem man auf die

Diskussionsbeiträge der jeweiligen Person noch einen drauf setzt und sich damit in eine

bessere Position bringt.

Tipp 3: Aktiv beteiligen!

Wer bei der morgendlichen Konferenz oder im Projektgespräch nur seine Zeit absitzt,

verschenkt wertvolle Punkte im Spiel um die spannendsten Arbeitsaufgaben und die besten

Karrierechancen. Quer durch alle Branchen und Hierarchieebenen gilt, wer im Meeting

einfach nur anwesend ist, manövriert sich aus dem Blickfeld – egal, worum es in der

Diskussion geht. Und das hat Konsequenzen an vielen Stellen.

Tipp 4: Zielklarheit

Wichtig ist vor allem zu erkennen, ob es sich beim nächsten Meeting um eine hierarchische

oder non-hierarchische Veranstaltung handelt. Sprich: Lädt der Chef zum Meeting ein oder

ist es eine Sitzungsrunde mit gleichgestellten Kollegen? Die Antwort auf diese Frage gibt

Hinweise, welche Erwartungen es möglicherweise an Sie gibt. Daraus können Sie Ihre Ziele

ableiten. Wollen Sie inhaltliche Themen platzieren oder Kontakte im Kollegenkreis

herstellen? Das wäre in einem non-hierarchischen Treffen gut. Oder wollen Sie- in einem

hierarchischen Meeting – lieber beim Chef punkten?

Tipp 5: Immer an die Nummer Eins

Wenn Sie etwas zu sagen haben, sprechen Sie bitte nicht einfach in die Runde. Das bringt

Sie kein Stück weiter. In die Runde sprechen ist, als mache man nur ein Geräusch.

Mindestens die Hälfte der Meeting-Teilnehmer wird nicht mal hinhören. Nur wenn die

Nummer 1, also der Chef oder der ranghöchste in der Gruppe zuhört, hören auch alle anderen zu. Nehmen Sie deshalb direkten Blickkontakt mit der Eins auf, während Sie

sprechen. Wenn Sie Ihren Vorgesetzten dann noch gedanklich mitnehmen, indem Sie Ihre

Argumentation auf ihn abstimmen, ist schon einen guten Schritt weiter. Ein bisschen

Bauchpinselei schadet dabei nicht. Auch Chefs sind nur Menschen, die gelegentlich

Streicheleinheiten brauchen.

Tipp 6: Mehrfache Wiederholung nutzen

Die Kommunikation in Meetings ist nichts anderes als das Aushandeln von Rangordnungen.

Deshalb kommt es häufig vor, dass in solchen Veranstaltungen alles drei oder vier Mal

wiederholt wird. Lassen Sie sich davon nicht nerven. Denn im Gedächtnis bleibt oft nicht der

Urheber einer Idee, sondern derjenige, der das Thema noch einmal aufgegriffen und um ein

kleines Detail ergänzt hat. Wer das für sich nutzt, positioniert sich im Kollegenkreis vor den

Augen des Chefs deutlich besser als die anderen und punktet damit beim Vorgesetzten. Wer

in einer solchen Diskussion gar nicht mitmischt, manövriert sich auf den letzten Platz der

Rangfolge.

Tipp 7: Höfliche Unterbrechung – wer fragt, der führt

Ausreden lassen gilt in Deutschland als eine der wichtigsten Benimmregeln. Keiner lässt sich

gern ins Wort fallen. Endlose Monologe können jedoch mit Zwischenfragen unterbrochen

werden. Am höflichsten unterbricht man jemanden mit einer geschlossenen Frage zum

Thema. Eine andere Variante ist, eine Frage zu stellen, wenn der Redner Luft holt, und Sie

beantworten sich die Frage selbst. Beispiel: “Herr Huber, Sie sagten vorhin, dass man das

Projekt auch … wie steht es mit xy, ich habe da mal erfahren, dass…” Nun können Sie das

Gespräch umlenken und sind selbst am Zug.

Ihren Vorgesetzten sollten Sie allerdings niemals unterbrechen! Ist der Vortragende dagegen ein Kollege, der allzu sehr langweilt, darf man den Monologisierenden durchaus

unterbrechen. Allerdings sollten Sie sich vorher vergewissern, ob der Chef genauso genervt

ist. Wenn Sie dann mit einem positiven Vorschlag dazwischen grätschen, Ergänzungen und

neue Aspekte bringen und so den übergroßen Redeschwall unterbrechen, dann wird Ihnen

das nicht als Unhöflichkeit angekreidet. Denn Chefs honorierten es, wenn ein stagnierendes

Meeting wieder an Schwung gewinnt, solange Sie als Unterbrecher einen inhaltlichen Beitrag

liefern.

.

Tipp 8: Umgang mit langen Monologen vom Chef

Der Hackordnung dienen auch Sitzungen, in denen nahezu ausschließlich der Chef spricht.

Er ist das Alphatier und macht dies darüber deutlich. Unterbrechen Sie ihn nicht! Schalten

Sie bei langen Redepassagen trotzdem nicht ab!  Selbst wenn Sie mit Ihren Gedanken ganz

woanders sind: bewahren Sie eine aufrechte Haltung und machen Sie einen guten- sprich:

interessierten Eindruck! Versuchen Sie zumindest, die wichtigsten Aspekte des Monologs

mitzubekommen und nicken Sie ab und zu, um Ihre Verbundenheit und Ihr Einverständnis

auszudrücken.

Tipp 9: Wie Sie Meetings im Kollegenkreis für sich nutzen

Nehmen Sie auch die Meetings im Kollegenkreis ohne direkten Vorgesetzten ernst. Hier

können Sie die Eigenheiten der Kollegen herausfinden, Allianzen schmieden oder aber

Grenzen setzen. Zum Beispiel, indem Sie sich freundlich, aber bestimmt dagegen wehren,

die ungeliebten Aufgaben anderer Teammitglieder zugeschoben zu bekommen. Ist die

Position im Kollegenkreis klar, wird das Thema im nächsten Meeting mit dem Chef wohl nicht

mehr auf die Tagesordnung kommen, zeigt die Erfahrung.

Tipp 10: Ideenklau verhindern

Für alle Meetings gilt: Oft werden Beziehungsthemen auf der Sachebene ausgetragen.

Präsentiert zum Beispiel ein Kollege in einem hierarchischen Meeting eine Idee, dann kann

er vor dem Chef punkten. Wollen Sie ebenfalls punkten, haben aber keine gleichwertige

Idee, können sie zunächst den Kollegen loben, seine Idee aufgreifen und leicht verändern.

Indem Sie ihn loben, setzen Sie sich in der Rangordnung über ihn, weil Ihnen das eigentlich

nicht zusteht. In diesem Moment würden Sie punkten. Will der Kollege das nicht so stehen

lassen, muss er an Ihre Worte anknüpfen und noch einmal Aspekte erläutern. Das ist auch

eine gute Strategie, wenn Kollegen sich mit fremden Federn schmücken und geklaute Ideen

präsentieren: Einfach loben, dass der Kollege Sie bei der Umsetzung des Vorschlags

unterstützen will und das Thema tiefer beleuchten. So machen Sie deutlich: Ich bin der

Urheber dieser Geschichte!

Tipp 11: Überzogene Meetings stilvoll verlassen

Man sollte sich auf keinen Fall wortlos aus dem Raum schleichen. Eine kurze Begründung,

etwa ein anstehender Kundentermin, ist angebracht. Im Grunde hat aber der Moderator die

Aufgabe, das Meeting zeitlich nicht aus dem Rahmen laufen zu lassen, sondern eventuell

Themen zu vertagen. Machen Sie auch am Anfang eines Meetings klar, wie viel Zeit dafür

vereinbart wurde und machen Sie eventuell darauf aufmerksam, dass Sie danach noch eine

andere Verpflichtung eingeplant haben.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim nächsten Meeting und beim Umsetzen der Tipps. Bitte berichten Sie mir gerne, wie es Ihnen dabei ergangen ist! Wenn Sie weitere Erfolgstipps haben, um Meetings zur eigenen Positionierung zu nutzen- bitte immer her damit:-)

Herzliche Grüße aus Wiesbaden

Katharina Maehrlein

{ 5 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }

Jörn Evers April 27, 2011 um 11:33

Hallo Katharina, sehr brauchbare Vorschläge und Ideen zum Thema “Meetings”. Werde ich direkt umsetzen…
Gruß aus Berlin-Adlershof, Jörn

Uta B. April 27, 2011 um 17:09

… die Tipps hätte ich mal vor 4-5 Jahren haben sollen, da wären zig Meetings anders verlaufen! Danke!

Katharina Maehrlein April 28, 2011 um 07:43

Hallo lieber Jörn,
freut mich, dass Du die Tipps für brauchbar hälst und gleich anwenden möchtest. Ich bin gespannt auf Deine Erfahrungen im Test. Bitte berichte gerne davon!
Beste Grüße nach Berlin
Katharina

Katharina Maehrlein April 28, 2011 um 07:46

Hallo Uta B.,

mein Beileid:-) Aber jetzt werden Sie durchstarten, nicht wahr? Ich freue mich auf Ihren Erfahrungsbericht.
Übrigens: in ca. 6 Wochen wird mein Kurzseminar zum Thema als APP fürs IPhone erscheinen, da finden Sie noch viel mehr funktionierende Tipps zum Thema “Souverän Durchsetzen”.
Beste Grüße aus Wiesbaden
Katharina Maehrlein

Dieter Mai 11, 2011 um 07:32

Hallo Katharina,
herzlichen Dank für diese ausführliche Darstellung. Hätte ich nur sehr viel früher schon deine Seite geöffnet. Meine Position im Aufsichtsrat hätte ich sehr viel besser gestalten können; erfolgreicher…
Einiges ist mir jetzt “wie Schuppen von den Augen” gefallen. Gerne komme ich nun öfter auf deine Seite. Danke für dein Engagement :-) Postwendend ergeht jetzt auch eine Empfehlung an meine Kinder Elena (Uni Marburg) und Daniel (Toastmaters, Wi).
Liebe Grüsse nach Wiesbaden
D i e t e r

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